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Unergründlich e.V.  Zeit für Dich und Deine Seele

Den Himmel öffnen - adventliche Schlüssel-Erlebnisse

 

Als Georg-Friedrich Händel den zweiten Teil seines Oratoriums Messiah / Der Messias (1741) mit dem berühmten Halleluja beendet hatte, soll er tränenüberströmt ausgerufen haben: "Ich glaubte den Himmel offen und den Schöpfer aller Dinge selbst zu sehen!" Ob dies der historischen Wahrheit entspricht, sei dahingestellt, aber in diesem Ausruf spiegelt sich für mich eine Erfahrung wider, die jedem Menschen persönlich möglich ist: die Erfahrung, den Himmel zu öffnen und eine tiefe Verbundenheit mit dem Göttlichen zu spüren - adventliche Schlüssel-Erlebnisse.

 

Schlüssel, die innere Räume öffnen

Das, was traditionell "Himmel" genannt wird, ist für mich eine innere Wirklichkeit. Wenn ich mir Zeit für das nehme, was mich ganz erfüllt, wenn ich mich öffne für das, was mich im Innersten berührt, wenn ich zur Ruhe komme und mich selbst wahr-nehme, kann ich in Räume gelangen, die mich eine Dimension über das Sichtbare hinaus, eine Dimension jenseits des Mess- und Berechenbaren spüren lassen, wo ich vertrauensvoll ganz ich sein kann.

Den Himmel zu öffnen kann auch heißen, mich selbst zu öffnen.

 

Schlüssel, die ich selbst in die Hand nehme

Zum Himmel hat für mich jede_r einen je eigenen Zugang. Manche versuchen, für andere den Himmel mit der Brechstange zu öffnen, indem sie ihnen vorschreiben, wie sie zu leben, zu denken und zu glauben haben, um dann als Belohnung "in den Himmel zu kommen". Den Schlüssel aber, der mir meinen Himmel öffnet, kann ich nur selbst in die Hand nehmen, indem ich meinen Fragen und meiner Sehnsucht nachgehe. Ich muss damit nicht alleine bleiben. In Begegnungen kann ich anderen meinen Himmel öffnen.

Den Himmel zu öffnen kann auch heißen, von dem zu erzählen, was mich zutiefst umtreibt und erfüllt.

 

Schlüssel, die ich mit mir trage

Meine Erfahrungen, die mich meinen Himmel haben spüren und erleben lassen, prägen mich. Doch wie sich unsere Welt verändert, wie wir uns verändern, verändern sich auch unsere Zugänge zu unserem Himmel. Die alten Schlüssel tragen wir oft noch mit uns, aber wir dürfen immer wieder neue Schlüssel entdecken.

Den Himmel zu öffnen kann auch heißen, loszulassen, mich von dem zu verabschieden, was mir nicht mehr entspricht, und mutig Neues in die Hand zu nehmen.

 

Der Advent ist eine Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf das Fest, an dem wir die Verbundenheit von Menschlichem und Göttlichem, die Berührung von Himmel und Erde feiern. Diese Zeit lädt dazu ein, unseren Schlüssel-Erlebnissen auf die Spur zu kommen.

                                                                

Birgit Boukes